250 Jahre USA – A Comic Roadtrip
1776 – 2026
Die neue Ausstellung ab 03. Juli 2026
Durch die Brille des Comics werfen wir einen Blick zurück auf 250 Jahre USA und machen dabei an fünf Stationen Halt. Die Aussichtpunkte auf unserer Comic-Route sind:
Um 1900 wandern bis zu eine Million Menschen jährlich in die USA ein. Sie suchen in der ‚Neuen Welt‘ Zuflucht, Arbeit, politische und religiöse Freiheit – symbolisiert durch die Freiheitsstaue ‚Lady Liberty enlightning the world‘.
„Lady Liberty wurde zur Mutter der Emigranten, und wie die Einwanderer Amerikaner wurden, wurde die französische Dame zu einem Symbol ihrer Wahlheimat.“ – Epilog Liberty (2024) von Julian Voloj und Jörg Hartmann.
Bewundern Sie historische Originalseiten und -skizzen der Katzenjammer Kids sowie Aquarelle aus dem Liberty-Comic zur Entstehungsgeschichte der Freiheitsstatue und werfen Sie einen Blick in die Straßen von NYC zur Jahrhundertwende.
Auch die Familie Dirks bricht 1884 aus dem norddeutschen Heide in Richtung New York auf. Der
Sohn Rudolph wird ein Superstar des frühen Comic-Business. 1897 haucht er der Zeitung New York Journal mit seinen Katzenjammer Kids neues Leben ein und wird zum Gründungsvater des sich neu entwickelnden Mediums. Der norddeutsche Emigrant W.H.D Koerner wird mit seinem Superhelden-Vorläufer Hugo Hercules und mit seinen Westernmalereien die frühe amerikanische Medienwelt prägen.
Im frühen 20. Jahrhundert ist Antisemitismus auch in den USA gang und gäbe. Als Jude und/oder Einwanderer aus Europa dort Arbeit zu finden, war nicht einfach. Doch in Comic-Heften erschufen jüdische Künstler in Verlagen jüdischer Eigentümer, das Superhelden-Genre. Jerry Siegel und Joe Shuster kreierten mit Superman den ersten und prototypischen Superhelden. Bob Kane und Bill Finger folgten 1939 mit Batman auf dem Fuße, alles bei DC in Eigentum von Harry Donenfeld und seiner rechten Hand Jack Liebowitz. In Martin Goodmans Verlag Timely / Marvel erschufen Joe Simon und Jack Kirby den patriotistischsten aller Superhelden: Captain America. Und lassen diesen auch gegen den größten Feind der Freiheit und Demokratie kämpfen: Nazideutschland.
Wir zeigen ausgewählte World War II Cover vom ikonischen Kinnhaken des Captain America gegen Adolf Hitler, den berühmten Hitler/Tojo Cover von Superman bis hin zu vielen War Bonds Covern auch von Batman.
Was mit Rosa Parks am 1.12.1955 in einem Bus in Montgomery, Alabama, seinen Anfang nahm, erreichte in den 1960er Jahren in Martin Luther King und Malcolm X seinen Höhepunkt. Die Bürgerrechtsbewegung beeinflusste auch die Welt des Comics. Im Juli 1966 erschien bei Marvel in Fantastic Four No. 52 der erste schwarze Superheld von Stan Lee und Jack Kirby: der Black Panther, T’Challa, König von Wakanda, einem futuristischen und hochtechnologisierten Land verborgen im Herzen Afrikas.
Es folgten im September 1966 Dr. Bill Foster als Black Goliath bei den Avengers und Sam Wilson als Falcon in Captain America No. 117 (Sept. 1969) und 1972 Luke Cage – Hero for Hire, fast wie Shaft in Kino ein Jahr zuvor. Ab 1973 kämpft Nubia – eine Amazone (erster Auftritt in Wonder Woman #204) – bei DC als erste weibliche, schwarze Superheldin gegen das Böse. 1975 taucht die schwarze Mutantin Storm das erste Mal bei den neuen X-Men auf. Heute sind mit Miles Morales als Spider-Man und Lunella Lafayette als Moon Girl auch schwarze Kinder und Jugendliche als Held:innen mit von der Partie.
1820 bis 1890 prägte die Ideologie des „Manifest Destiny“, also die „offenkundige Bestimmung der Nation sich auszubreiten und den gesamten Kontinent in Besitz zu nehmen“, so John L. O. Sullivan in 1845. Dieser „göttliche Auftrag“ gab den weißen Kolonialist*innen scheinbar das Recht die Native Americans aus ihrer Heimat mit kaum vorstellbarer Grausamkeit zu vertreiben:
Wie kann das die Grundlage für „the land of the free“ sein?
Diese Landnahme lag ein paar Jahrzehnte vor dem ersten U.S.-amerikanischen Comic und auch mit der Fotografie ist man noch nicht so weit und kann die Besiedelung des Westens nicht so begleiten wie heute das Smartphone einen Städtetrip. Also wird gemalt: So etwa auch vom deutschen Einwanderer und Comic-Pionier W.H.D. Koerner. Koerner setze sich – im Sinne des „Vanishing Indian“-Narrativs nahezu ethnologisch genau – mit den Crow auseinander. Begraben werden solche Geschichten im angehenden 20. Jahrhundert aber unter einer (Bilder-)Flut, die von einem romantisierten Siedlungstraum erzählen. Auch Westerncomics (re-)produzieren, vornehmlich als Ableger der in den 1930er beliebten Filme und Serien, Stereotype, wie zum Beispiel Geschichten vom singenden Cowboy Roy Rogers (Hochphase 1938-1953). Die weißen Helden waren oft titelgebend und prankten auf den Covern – nicht selten sogar als Foto und nicht gezeichnet.
Der breite Fächer des Western-Genres, spannt sich zwischen der Realität auf den Tracks, indigenen Perspektiven und den „western goes weird“- Ausläufern auf.
SONDERAUSSTELLUNG ERÖFFNET AM 11. SEPTEMBER 2026
Eine der dunkelsten Stunden der U.S.-amerikanischen Geschichte erlebte Thomas Schmitz-Lippert (Stifter des Cöln Comic Hauses) selbst mit: „The Twin Towers are gone“, sagten ihm die beiden Zollbeamten an dem Logan Airport in Boston, zu dem er an jenem Vormittag des 11. September nach New York City umgelenkt worden war.
Die Rezeption des Ereignisses im Comic erfolgte fast sofort. Berühmt ist das schwarze Cover von Spider-Man No. 36. Sehen Sie Interior Art von John Romita Jr. aus diesem Heft, in dem die wahren Helden, allen voran die Fire Fighters des FDNY von den Marvel-Superhelden geehrt wurden. „Stand tall“ heißt es auf der eindrucksvollen letzten Seite der Ausgabe.
Später wurde sogar der 9/11-Report der Nationalen Kommission von Sid Jacobson und Ernie Colón in Comic-Form adaptiert, um die Ereignisse begreiflich zu machen wie es nur dieses Medium vermag.
Ersterschienen in der deutschen Tageszeitung DIE ZEIT – da für amerikanische Zeitungen zu anti-amerikanisch – setzt sich Art Spiegelman in In the Shadow of no Towers mit seinen persönlichen Erlebnissen rund um den 11. September auseinander. Spiegelman, ein New Yorker Underground Comic Artist, lässt berühmte Figuren aus den Comic Supplements um 1900 in sorgfältig chaotischen Montagen über amerikanische Werte stolpern und stürzen.